
„Wieso sagt man nicht mehr DJane?“ – Diese Frage geistert seit einiger Zeit durch die Feuilletons, Social-Media-Kanäle und Diskussionen in der Clubszene. Mal ehrlich, wer googelt das nicht, bevor er das nächste Mal eine Frau an den Plattentellern ankündigt? Die einen sprechen von einem veralteten Unwort, die anderen von sexistischen Fallstricken. Und dann gibt es da noch uns, die wir diesen Begriff seit über drei Jahrzehnten mit Stolz, Leidenschaft und einer gehörigen Portion Spielfreude tragen.
Hallo, ich bin Simoné. DJane Simoné. Seit 1992. Und ich möchte heute mal ein paar Dinge klarstellen.

Es ist ja phänomenal, was ein kleiner, aus fünf Buchstaben bestehender Begriff so auslösen kann. In den letzten Jahren hat sich eine erhitzte Debatte entwickelt. Die Kernargumente der Kritiker: Der Begriff „Disc Jockey“ sei aus dem Englischen kommend ohnehin geschlechtsneutral, die krampfhafte Erschaffung einer weiblichen Form (wie „DJane“) sei sprachlicher Unsinn und würde Frauen in der ohnehin männerdominierten Szene zu Exotinnen stempeln. Man wolle nicht als „besondere Spezies“ hervorgehoben werden, sondern einfach als DJ.
Das Argument wird oft mit dem Hinweis auf die fehlende männliche Form untermauert: „Es heißt ja auch nicht Powermann oder Manboss“. Klingt auf den ersten Blick schlüssig, oder? So sehr, dass der Begriff in einigen Diskussionen sogar als „Unwort“ gehandelt wird. Wikipedia-Diskussionen glühen, wenn es um die Verwendung in Artikeln geht, und die englischsprachige Welt schaut leicht verwirrt auf diesen deutschen Sonderweg.
Jetzt stellen Sie sich vor, ich würde heute eine Pressekonferenz einberufen. Das Mikrofon ist an, das Licht spotet mich an, und ich verkünde mit ernster Miene: „Meine Damen und Herren, ab sofort nenne ich mich nur noch ‚DJ Simoné‘. Die vergangenen 30 Jahre meines Lebens waren ein Irrtum, ich bitte um Vergebung für die Verwirrung.“
Was würde passieren? Vermutlich würde mein treues Publikum schallend lachen. Und das ist genau der Punkt, den die Debatte oft vergisst: Humor, Geschichte und vor allem das Selbstbestimmungsrecht der Künstlerin.
Hier sind meine Argumente für die Beibehaltung und gegen das generelle Verdammen des Wortes:
Die Geschichte, die in meiner Biografie steht, ist kein Märchen. Mein „junglistisches“ Attribut „DJane“ wurde mir Anfang der 90er auf einem Flyer im Vibration verpasst. Ein Wortspiel. Eine Reminiszenz an den Dschungel (Jungle) und den frechen Geist der Zeit. „Ich Tarzan, du Jane“ – das war doch damals ein Statement! Es war eine liebevolle, coole Kennzeichnung in einer Szene, die gerade dabei war, sich neu zu erfinden. Es war ein Augenzwinkern, kein Ausgrenzungsinstrument. Wir, die DJanes dieser ersten Stunde, fühlten uns pudelwohl damit. Es war ein Ausdruck unserer Leidenschaft, den wir uns gegenseitig gaben. Dieses lebendige Stück Subkultur-Geschichte einfach zu streichen, käme einer sprachlichen Entsorgung unserer eigenen Vergangenheit gleich.
Klar, sprachlich mag „DJ“ neutral sein. Aber wer sagt denn, dass wir uns immer nur an der englischen Herkunftssprache orientieren müssen? Im Deutschen lieben wir es, Dinge zu formen, zu erschaffen, „einzudeutschen“. Das Wort DJane ist ein schönes Beispiel dafür – eine Kreation, die es im Englischen so nicht gibt. Sie lehnt sich an den wohlklingenden, international verständlichen Namen „Jane“ an. Das ist doch viel schöner und persönlicher als das sperrige „weiblicher DJ“. Sprache lebt von Vielfalt, nicht von Verboten.

Ich habe mir diesen Namen nicht anhören müssen. Ich habe ihn mir gegeben. Und ich habe ihn über 2700 Mal auf die Bühne getragen. Er steht für meine Musik, meine Art, mein Publikum zu berauschen. Er ist meine Marke. Würden Sie einem Maler verbieten, sich Künstler zu nennen, weil der Begriff „Maler“ ja eigentlich das Handwerk des Anstreichens beschreibt? Natürlich nicht. Es geht um die Bedeutung, die ich ihm gebe. Wenn jemand sagt „Ich will nicht DJane genannt werden“, dann ist das völlig in Ordnung. Punkt. Aber das Umgekehrte muss genauso gelten. Meine Selbstbezeichnung zu diffamieren, ist einfach respektlos.
Der Vergleich mit „Girlboss“ oder „Powerfrau“ hinkt für mich. Diese Begriffe wurden oft von außen verliehen, um eine Ausnahme zu betonen. „DJane“ hingegen war eine interne, von der Szene selbst kreierte Bezeichnung. Sie war nie als Auszeichnung für besondere Leistungen gedacht, sondern als cooles Etikett für eine wachsende Gemeinschaft. Es ist der Unterschied zwischen einem Kosenamen und einem Klischee.
Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Manche sagen es nicht mehr, weil sie eine politische Debatte führen. Und das ist ihr gutes Recht. Andere, wie ich, sagen es weiterhin, weil es ein Teil ihrer Identität ist.
Die wahre Kunst liegt im Miteinander. In einer inklusiven Clubkultur, in der es okay ist, dass die eine sich „DJ“, die andere „DJane“ und der dritte einfach nur „Künstler“ nennt. Es geht um Respekt. Respekt davor, dass Sprache nicht nur Regeln folgt, sondern auch Herzen hat. Und mein Herz schlägt eben für den Beat – und für den Namen, den ich mir dafür gegeben habe: DJane Simoné.
Wenn Sie mich also buchen möchten, dann sagen Sie ruhig „DJane Simoné“. Ich freue mich drauf. Oder sagen Sie einfach Simoné. Hauptsache, Sie kommen tanzen.

















































WIESO SAGT MAN NICHT MEHR DJANE?